Kategorie:Segelflugzeug
Modellname:Discus CS
Einsatzzweck:Hangflug / Thermik
Hersteller/Anbieter:Jamara
Spannweite:2652 mm
Rumpflänge:1153 mm
Abfluggewicht:1427 kg
Motorisierung:keine
Modelleignung:Fortgeschrittene
Bausatzart:ARF-Modell
Autor:K. Stark
  
  
Baubeschreibung:
 
Hier nun eine ausführliche Baubeschreibung vom Modell. Der Segler wird von Jamara vertrieben doch der eigentliche Hersteller ist CM-Pro. Beide Modelle sind identisch!

Zu allererst wenn der Baukasten geöffnet wird fallen einem die gut gebügelten Flächen (mit Oracover Folie) das klein wirkende HLW und die Seitenruderflosse auf. Der Rumpf besteht aus GFK und ist bereits fertig mit einlackierten Decals und sämtlichen Spanten versehen. Die Verklebungen im Rumpf machen einen guten Eindruck.

Beim ersten Zusammenstecken des Modells fällt mir sofort der 6mm Kohleverbinder auf. Er ist ziemlich weich und auf meinem Bautisch hängen die Flächen des Discus ziemlich weit nach unten. Na ja, erst mal sind die Servos dran! Die vorgeschlagene Servos von Jamara haben mich nicht überzeugt weil sie im Getriebe zu viel Spiel (meine Meinung!) haben. Ich habe für Querruder Zebra Servos von Multiplex fürs Höhenruder GWS 140 BB und für Seitenruder ein Conrad RS 100 BB verbaut. Die Kabel für die Flächenservos sind in gerade mal 2 Minuten eingezogen da es sich um eine beplankte Rippenfläche handelt. Alles wurde wie in der Baubeschreibung beschrieben so gebaut bis auf wenige Ausnahmen.

Es gibt aber folgende Mängel die ich hier gleich erläutern möchte um eventuelle Käufer darauf vorzubereiten dass das Modell nicht in 5 Stunden gebaut ist sondern noch mal alles kontrolliert werden sollte:

1. Meine Fächensteckung war zu weich, Abhilfe habe ich mir mit einem 6mm Federstahldraht geschafft nun sind die Flügel gerade.

2. Die Rumpfanformung zum Flächenübergang ist nicht optimal. Bei 0° V-Form klaffte bei meinem Modell oben ein Spalt von gut 1,5mm, Abhilfe schaffte ich mir indem ich meinen jetzigen Stahlverbinder etwas bog so dass ich 1,5° V-Form habe und die Flächen satt anliegen.

3. Die Hülsen der Flächenverriegelung! Ist zwar gut gemeint, wenn aber die Löcher in den Flächen für die Verdrehsicherung nicht passen und schief gebohrt sind nützen diese Hülsen auch nichts. Ich musste an einer Fläche die Löcher der Verriegelungshülsen nacharbeiten damit sie ohne Probleme mit den Verdrehsicherungen passten.

4. Die Anlenkung des Höhenruders erfolgt (sagt die Bauanleitung!) mit einem nicht mal 2mm starken Stahldrähtchen auf das zwei Gabelköpfe aus Nylon aufgeschraubt werden. Ehrlich gesagt hielt ich das für einen Witz.........aber ich habe es dennoch ausprobiert. Bei der 5. Betätigung des Servos rutschte das Drähtchen in einem Gabelkopf durch so dass das HLW nicht mehr betätigt werden konnte. (Wenn das im Flug passiert dann gibt es Kleinholz!)
Ich habe mir aus 2mm Federstahl Gewindehülse und Stahlgabelkof eine Anlenkung gemacht, das ist stabil und hält wahrscheinlich länger als der Segler.

5. Nach diesen ganzen Aktionen wurde mein Segler komplett zusammengebaut und alle
Servos, bzw. Gestänge justiert. Alles paletti dachte ich und schaute schon auf den Wetterbericht der nächsten zwei Tage. Zu guter letzt habe ich noch die EWD bei meinem Segler vermessen, denn es waren so viele Kleinigkeiten an meinem Discus auszusetzen, man weiß ja nie.. Bei der ersten Messung bin ich auf ein Ergebnis von –1,3° gekommen, alle weiteren Messungen bestätigten mir dieses Ergebnis. Wie soll der Segler mit diesem Wert eigentlich fliegen? Im Rückenflug? Also Höhenruder abschrauben und unterlegen. Als ich 5mm Holz an der Hinterseite des Höhenruders unterlegt hatte, hatte ich endlich einen vernünftigen Wert.
Momentan liegt dieser bei +1°. Aber jetzt wird sich herausstellen ob der Segler wirklich fliegt.


Fliegen:
 
Zum Erstflug wartete ich einen guten Tag ab an dem etwas Wind gleichmäßig blies, denn das erleichtert das Werfen in das Element Luft. Und siehe da der Discus flog als ob er nie etwas anderes gemacht hätte. Leichte Korrekturen waren mit dem Querruder leicht auszugleichen. Zuhause noch mal nachgeschaut und es war eine Fläche etwas leichter (15g) als die andere daher dieses kleine Problemchen.
Am nächsten Tag ging es gleich zum Hangsegeln und zu weiteren ausführlichen Tests mit dem Segler. Einmal in der Luft besticht das einmalige Flugbild des Seglers sehr. Es gibt nicht viele Segelflugzeuge mit dieser Charakteristischen Flächengeometrie.

Bei den Flügen stellte sich heraus, dass der Schwerpunkt der im Bauplan angegeben ist, etwas weit vorne ist. Ich habe meinen mittlerweile auf 50mm hinter Nasenleiste zurückgenommen, das könnte auch an der anderen EWD liegen die ich an meinem Segler habe, ich weiß ja nicht wie viel der Segler normalerweise ab Werk hat.
Trotz dieser kleinen Mängel ist der Segler absolut sein Geld wert. Er fliegt (vorrausgesetzt man versucht ihn nicht auszuhungern!) wie auf Schienen er setzt alle Ruderausschläge sofort um. Ich würde sagen direkter geht es nicht aber nicht aggressiv. Ich habe auch versucht den Segler zum auskurbeln großflächiger Thermik zu überreden und alles etwas langsamer angehen zu lassen, aber ich muss sagen dass er kein Thermikschleicher ist und somit immer Fahrt will, macht man ihn zu langsam wird’s „Schwammig“ und danach kommt sehr schnell und ohne Vorwarnung der Strömungsabriss. Hangsegeln ist glaube ich die bessere Entscheidung für dieses Modell allerdings sollte mit bedacht Kunstflug praktiziert werden da die Flächen doch sehr weich sind und wer den originalen Kohlestab verwenden möchte bitte sehr.......ich hatte meinen mal probeweise eingesteckt und musste feststellen dass bei etwas schnellerer Flugweise die Flächenenden zu flattern begannen, wenn das in größeren Höhen passiert und man merkt es nicht gleich kommt nur noch Kleinholz zum Boden.

Fazit:
 
Der Discus von Jamara/CM-Pro ist ein gut gelungener Nachbau des Discus CS der heute noch in der Tschechischen Republik gebaut wird. Auch die kleinen Probleme beim Bau des Modells sind schnell vergessen wenn er erst mal fliegt. Ich habe für meinen Segler 119€ bezahlt + zwei mal Zebra von Multiplex a’10€, Conrad RS 100 BB 7,5€ und ein GWS IQ 140 BB 11,5€

So gesehen ist er eine günstige Alternative zu anderen Seglern und für das Geld bekommt man genug vorgefertigtes Flugzeug.
Wer aber nicht gerne im Bastelkeller ist und am liebsten auspackt und gleich fliegen will ist hier an der falschen Adresse, denn hier sollte nachgemessen und kontrolliert werden sonst gibt’s Bruch beim ersten Versuch.
Ich denke er ist ein gute Allrounder mit der Tendenz eher zum Hangsegeln.
Ich hoffe mein Bericht wird euch bei der Kaufentscheidung etwas helfen und vielleicht auch dem einen oder anderen bei eventuellen Problemen helfen.

In diesem Sinne Holm und Rippenbruch die Flug-Saison hat begonnen!

Bausatzqualität: 2
 
Flugeigenschaften: 2
(1=sehr gut / 6 = schlecht)
 
 




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