Modellflug in der DDR

Modellflug in der DDR

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Bericht über
die Aktivitäten im Modellflug im osten Deutschlands vor
der "Wende" abgeben. Vor allem sollte man sich vom
Vorurteil lossagen, es habe sich um ein
modellfliegerisches Entwicklungsgebiet gehandelt.
Freilich gab es keinerlei vernünftige Bausätze. Ebenso
war Balsa in jeder Form eine absolute Mangelware.
Tatsache ist jedenfalls, das jeder, der diesen Sport
betrieben hat ein echter Modellbauer war.
Selbstverständlich war es unabdingbar, daß man in der
sogenannten Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
organisiert sein mußte, wollte man in den Genuss des
einen oder anderen Artikels gelangen. In dieser
Gesellschaft waren alle technischen Sportarten vereint.
Unter anderem fand da auch die vormilitärische
Ausbildung statt. Trotz alledem wurden viele
Aktivitäten unternommen.

Es gab an unserem Platz Wettbewerbe für F3A und in der
Klasse F4C-V. Die beigefügten Bilder sollen
verdeutlichen, daß immer eine sehr große
Zuschauerresonanz zu verzeichnen war. Die Presse
berichtete einmal von ca. 4000-5000 Zuschauern. Unser
Club war der Modellfliegerclub RC-Auerbach im Vogtland.
Unseren Wunschnahmen "Otto Lilienthal" durften wir erst
nach der Wende benutzen. Da unser Modellflugplatz ein,
wegen zu großer Nähe zur Grenze, für manntragente
Flugzeuge gesperrter Platz war, mußten wir nach der
Wende von dort verschwinden und uns einen neuen Platz
suchen. Trotz all dieser Unwegbarkeiten entstanden sehr
schöne Modelle. Wie schon erwähnt alles im Eigenbau.
Vorlage war oft nur eine 3-Seiten-Ansicht. Sender und
Empfänger entstanden im Selbstbau. Unheimlich stolz war
der, welcher Bausatzservos sein Eigen nennen konnte.
Ich erinnere mich noch genau an die wunderbaren
Büschelstecker, welche dem Bausatz beigefügt waren.

Auch die in der DDR hergestellten handelsüblichen
Fernsteueranlagen waren bedingt verwendungsfähig. Vom
Konzept her war sie in etwa wie die Graupner/Grundig
Varioprop AM-Anlage. Sie war ebenfalls mit Empfänger
und Servoverstärkerbausteinnen ausgestattet. Jedoch
vermisse ich noch heute die wunderbaren
Linearschieber-Rudermaschinen der Varioprop. Bei uns
gab es nur eine Sorte Rudermaschinen. Diese waren ohne
Elektronik und sehr unzuverlässig. Zwar wurde ein
Metallgetriebe benutzt, aber Poti und Motor warenvon
sehr schlechter Qualität. Ansonsten war es für die
meisten Modellflieger immer wieder ein Erlebnis das
Werk seiner Arbeit fliegen zu sehen. Für alle traf zu,
dass es ohne Fleiss auch keinen Preis gab!


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