Jugend-Modellbauprojekt beim MFC-Werlte e.V.

Jugendarbeit beim MFC-Werlte e.V.

Jugendarbeit beim MFC-Werlte e.V.

Modellbaujugend..
MFC-Werlte e.V.
Für die Teilnahme
am Projekt 2003
Jugendförderpreis
wurden wir mit einer
Urkunde bedacht.


Modellbauprojekt ...Bericht Frithjof Eckstein MFC-
Werlte e.V.

Eines der wichtigsten Ziele unseres Vereins bei seiner
Gründung war es, möglichst viele Jugendliche für diese
anspruchsvolle und lehrreiche Freizeitbeschäftigung zu
begeistern. Bereits im ersten Jahr veranstaltete der
MFC deshalb im Rahmen der Ferienpassaktion einen
Flugtag, an dem allen interessierten Kindern und
Jugendlichen die volle Bandbreite dieses
faszinierenden Sports vorgeführt wurde, vom einfachen
Wurfgleiter über den anspruchsvollen Segler, den
Motorflieger, den Hubschrauber bis hin zum
Seglerschlepp. Allen Anwesenden wurde die Möglichkeit
gegeben, nach einer kurzen Einweisung sogar selbst
über so genannte Lehrer-Schüler-Anlagen unter
fachkundiger Anleitung ein Modell in der Luft zu
steuern.

Der Einsatz hatte sich gelohnt. Im zweiten Jahr des
Bestehens hatte sich die Mitgliederzahl bereits
annähernd verdoppelt, so dass der MFC zu Beginn des
Jahres 2003 mit der eigentlichen Jugendarbeit, dem
geplanten Modellbauprojekt, beginnen konnte.

Dieses Jugendprojekt gliedert sich in fünf Stufen:

In der ersten Stufe werden zwei Anfängerflugzeuge
gleicher Bauart aufgebaut (Entwurf Reinhard Wolff,
Modellbauarchitekt und Jugendwart des Vereins). Diese
Modelle werden über zwei Achsen, d.h. nur mit dem
Seiten- und Höhenruder gesteuert.

Die zweite Stufe umfasst die Flugausbildung mit den
oben genannten Modellflugzeugen.

Parallel dazu werden in der dritten Stufe zwei gleiche
Trainermodelle und ein kunstflugfähiges
Modellflugzeug, die ebenfalls von Modellbau Wolff
stammen, gebaut. Diese Modelle werden über drei Achsen
gesteuert und verfügen somit noch zusätzlich über
Querruder.

Die vierte Stufe umfasst dann die Flugausbildung mit
dem Trainer- und Kunstflugmodell..

In der fünften Stufe sollen die Jugendlichen dann im
Rahmen der Flugausbildung an das Kunstflugprogramm
des Deutschen Modellflug Verbandes (DMFV) herangeführt
werden.

Die gesamte Flugschulung wird vom 1. Vorsitzenden des
Vereins, Jürgen Bruns, im so genannten Lehrer-Schüler-
System übernommen.

Nach umfangreichen Vorbereitungen wurde mit
Unterstützung der Samtgemeinde Werlte sowie des
Landkreises Emsland kurz nach Ostern der Baukurs I
gestartet, bei dem sich interessierte Jugendliche an
zehn Abenden in den Werkräumen der Hauptschule Werlte
trafen und unter fachmännischer Anleitung ehrenamtlich
tätiger Vereinsmitglieder mehrere Modellflugzeuge
bauten. Neben allgemeinen handwerklichen Fertigkeiten
wurden dabei Grundlagen über den Bau von Flugmodellen
in Theorie und Praxis vermittelt sowie die
wesentlichen Prinzipien der Flugphysik erläutert.
Fotos zum Baukurs I sind hier zu finden.

Nach der Fertigstellung der Modelle wurde in der
zweiten Stufe auf dem vereinseigenen Modellflugplatz
der praktische Flugbetrieb geübt. Mit Hilfe der
vereinseigenen Lehrer-Schüler-Fernsteuerungen kann
hier gerade der unerfahrene Modellpilot Kosten sparend
das Fliegen von Flugmodellen erlernen, ohne hohe
Verluste und Frustrationen durch anfängliche
Bruchlandungen in Kauf nehmen zu müssen.

Die Aktivitäten unseres noch jungen Vereins sprachen
sich schnell herum, und immer häufiger fanden sich
Kinder mit ihren Eltern, die auch neugierig wurden,
und Jugendliche auf dem Modellfluggelände ein, um dem
bunten Treiben der kleinen Maschinen und der Piloten
zuzuschauen und sich von der Faszination dieses Hobbys
anstecken zu lassen. So war es nicht verwunderlich,
dass bei der Ferienpassaktion 2003 noch weitaus mehr
Besucher erschienen als im Vorjahr.

Sowohl die Baukurse als auch die Ferienpassaktionen
sollen in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Zu
den weiteren Vereinsaktivitäten zählen das
alljährliche Sommerfest (Grillen mit der Familie am
Flugplatz), die Präsenz bei der Werlter Woche
(Ausstellung und Vorführungen), das Silvesterfliegen
sowie die Arbeitseinsätze zur Instandhaltung des
Flugplatzes.





Zum Konzept:

Die Entwicklungsgeschichte des Flugmodellbaus verläuft
parallel zur Geschichte des Flugwesens, denn erste
wissenschaftliche Erkenntnisse, aus denen sich später
die Gesetze der Aerodynamik ableiteten, wurden von
Wissenschaftlern an Flugmodellen systematisch
erforscht und zum Teil empirisch ermittelt. Alle
Entdeckungen und Erfindungen in der Luftfahrt wurden
zuvor an Modellen gemacht. Da jedes Flugmodell den
gleichen Gesetzen folgt wie seine großen Vorbilder,
sich nach den gleichen Regeln um drei Achsen steuern
lässt und bereits auf kleinste Wetterkapriolen
empfindlich reagiert, wird von Modellpiloten ein
Höchstmaß an manueller Feinfühligkeit und
Konzentration verlangt, damit sein Modell wieder
sicher zurückkehrt und unbeschadet auf dem Flugfeld
aufsetzt.


Und eben weil er das Flugzeug „von fern steuert“ und
nicht darin sitzt, weil er die feinen durch Thermik,
Gegen-, Seiten- oder Rückenwind oder Luftlöcher
ausgelösten Bewegungen erst verspätet aufgrund der
Reaktion des Modells wahrnimmt (wenn überhaupt), weil
all diese Phänomene bei zunehmender Entfernung extreme
Anforderungen an die visuelle Wahrnehmung, an die
Entscheidungsfreude sowie an die Flexibilität des
jungen Piloten stellen (kommt das Modell entgegen,
geschieht z.B. die Steuerung entgegengesetzt),
bedeutet dieser Sport einen großen Reiz und eine große
Herausforderung für Jugendliche.

Besonders spannend wird es für den jungen
Heranwachsenden, wenn das Modell selbst erstellt
wurde. Eine Fülle von Fähigkeiten und Fertigkeiten,
die er nur mit Unterstützung und Hilfestellung der
Vereinsmitglieder befriedigend und in überschaubarer
Zeit erwirbt, werden ihm abverlangt, damit im Verlauf
von Wochen (oder gar Monaten) „sein“ Modell entsteht,
mit dem er sich identifiziert, da er es mit seinen
Händen geschaffen hat. Nur schwer zu beschreiben ist
das Gefühl, die innere Anspannung und die
Gewissenhaftigkeit der Vorbereitung vor dem ersten
Start, das Glücksgefühl, wenn dieses Modell
tatsächlich abhebt und in seinen Flugbewegungen dem
Piloten auch noch „gehorcht“, und die Freude und der
Stolz, wenn das Modell unter dem Beifall der
Anwesenden unversehrt wieder zurückgekehrt ist.

Letztendlich muss aber jeder selbst entscheiden, wo er
seinen Schwerpunkt setzen möchte. Es bleibt daher
jedem selbst überlassen, ob er sich sein Flugzeug aus
einer inzwischen fast unerschöpflichen Auswahl von
Bausätzen selbst erstellt oder ob er lieber schnell
fliegen möchte und sich für ein vorgefertigtes Modell
entscheidet, das in wenigen Stunden flugfertig ist.

Der MFC Werlte hat sich unter Berücksichtigung dieser
Punkte im Hinblick auf die Jugendarbeit folgende
Aufgaben und Ziele gesteckt:

- Weckung von technischem Interesse bei Jugendlichen

- Hilfestellung bei der Erkundung von Neigungen und
Wünschen (auch im Hinblick auf spätere
Berufsentscheidungen)

- Förderung der Begeisterungsfähigkeit für technische
Zusammenhänge

- Sinnvolle, vernunftorientierte und
verantwortungsbewusste Verknüpfung von
Natur und Technik (der ernsthaft betriebene
Modellbau, insbesondere die Flugmodelltechnik
arbeitet nicht gegen die Natur, sondern im Einklang
mit den physikalischen und
biologischen Gegebenheiten unserer Umwelt)

- Stärkung des Selbstwertgefühls im Hinblick auf die
Modellerstellung und Flugbefähigung

- Förderung des Verantwortungsbewusstseins

- Vermittlung und Verbesserung des fliegerischen
Könnens

- Sensibilisierung und Förderung der Feinmotorik und
Konzentrationsfähigkeit

- Vermittlung von Entscheidungshilfen bei der Auswahl
und Finanzierung eines geeigneten,
dem jeweiligen Kenntnisstand angepassten Modells und
der dazugehörigen Ausrüstung


- Weckung von Ehrgeiz bei der Verbesserung der
Flugleistung im Einklang mit der Optimierung der
Modellfertigung

- Befähigung zur Mitarbeit in einer Gemeinschaft
(Stärkung der Solidarität, Hilfsbereitschaft und
Teamfähigkeit insbesondere bei Gemeinschaftsaufgaben)

- Befähigung zur Geduld und Besonnenheit

- Aufbau von Strategien für ein zielorientiertes
Problemlösungsverhalten

- Vermittlung der für den Modellbau notwendigen
Grundkompetenzen und Materialkenntnisse


Bei der Verfolgung dieser Ziele werden neben der
Vermittlung allgemeiner handwerklicher Fertigkeiten
sowie spezifischer Grundlagen des Modellbaus auch
diverse Wissenschaftsbereiche tangiert, die u.a. auch
für eine spätere Berufsausbildung von Bedeutung sein
könnten.

Hier einige Beispiele:

- Flugphysik (z.B. Verhältnis Rumpf – Tragfläche –
Leitwerke / Profile / Anstellwinkel / Schwerpunkt
usw.)

- Aerodynamik (z.B. Luftströmungen / Bernoulli-
Prinzip / Auftrieb / Verwirbelungen / Luftwiderstand
usw.)

- Thermodynamik / Maschinentechnik (z.B.
Energieumsetzung im Verbrennungsmotor / korrekte
Vergasereinstellung usw.)

- Meteorologie (z.B. allgemeine Wetterkunde /
Thermik / Windrichtung und – geschwindigkeit usw.)

- Materialkunde (z.B. Entscheidungskriterien für Holz,
Metall, Kunststoff, ... / Unterscheidung von Arten,
Sorten, Stärken, ... usw.)

- Verarbeitungstechnologie (z.B. Materialbearbeitungs-
und Verbindungstechniken / Kunstharzverarbeitung /
Klebstoffe / Oberflächenbehandlung ..)

- Festigkeitslehre (z.B. Materialbeanspruchung und –
ermüdung / Sollbruchstellen an Tragflächen-,
Leitwerks- und Fahrwerksaufhängungen usw.)

- Elektrotechnik / Elektronik (z.B.
Fernsteueranlage / Stromversorgungen / Elektroflug
usw.)





In Anbetracht der oben genannten Anforderungen, die an
den jungen Modellbauer und –piloten gestellt werden,
insbesondere aber der geistig-moralischen
Voraussetzungen, die er im Hinblick auf das
verantwortungsbewusste Führen eines Flugmodells
erfüllen muss, wird deutlich, dass es sich hier nicht
mehr um Spielzeuge handelt, sondern um ernst zu
nehmende Gerätschaften, die bei sinnvoller,
sachgemäßer und besonnener Anwendung zu einem
schöpferischen und befriedigenden Zeitvertreib führen
und Jugendliche weg von der konsumierenden hin zur
aktiven und weiterbildenden Freizeitgestaltung
geleiten.

Der MFC Werlte legt dabei großen Wert auf die gute
Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde, dem Landkreis und
den anderen ortsansässigen Vereinen, Verbänden und
Interessengruppen. Der Besuch der
Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann im September
2003 zusammen mit den Spitzenvertretern der
Samtgemeinde darf als Signal insbesondere auch für den
Nachwuchs gewertet werden, dass unseren Politikern
eine erfolgreiche Jugendarbeit in unserer Region nicht
gleichgültig ist.



Frithjof Eckstein / Oktober 2003


Mit freundlicher Unterstützung von www.mfc-werlte.de
Dies ist ein Service von http://www.modellflugtipps.de